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Oktober 2009
Interview Dominik Hartl

„Ein neues Werk und viel frischer Wind“

Mit Power in die Zukunft der mobilen Aufbereitungstechnik!

 

Hartl Powercrusher ist Produzent von raupenmobilen Gesteinsbrech- und Siebanlagen. Die Geschäftsleitung mit Mag. Dominik und Mag. Alexander Hartl verknüpft die langjährige Erfahrung der Familie Hartl in der Aufbereitung von Gestein und Baurestmassen mit den modernsten Produktions- und Fertigungstechnologien unter dem Motto „Power Lean Manufacturing“.


 

 

Baublatt.Österreich besuchte das Unternehmen im neuen Werk St. Valentin und sprach mit Mag. Dominik Hartl

 

 

Baublatt.Österreich:

Herr Mag. Hartl: Können Sie uns einen kurzen Rückblick über die Geschichte Ihres Unternehmens vermitteln?

 

Vor mehr als 85 Jahren schon hat unser Großvater Flussbaggerungen aus der Donau vorgenommen und 1935 sein erstes Kieswerk sowie ein Transportunternehmen gegründet. Professionelle Gesteinsaufbereitung war der Hauptkern seiner Tätigkeiten.

Als mein Vater Adolf und sein Bruder Franz Hartl das Unternehmen übernommen haben, haben sie für den Eigenbedarf und die eigene Kiesgrube eine mobile Brechanlage gesucht, um Transporte im Kieswerk zu verringern und somit Kosten zu reduzieren. Nachdem es damals am Markt nichts Adäquates in dieser Richtung gegeben hat, haben sie sich für den Eigenbedarf einen eigenen Brecher auf Rädern gebaut und begriffen die Vorteile mobiler Aufbereitung und den Mangel an Produkten dafür. Aus dem Eigenbedarf kamen Bedarfsnachfragen von Nachbarkieswerken und anderen Firmen, worauf sie sich auf den Bau und die Entwicklung von mobilen Aufbereitungsanlagen spezialisierten.

Im Jahr 1977 wurde der erste Powercrusher, eine vollmobile Prallmühle auf Rädern mit hoher Durchsatzleistung, gebaut. Anfang der 80er Jahre konzentrierte man sich, aufgrund des beginnenden Recyclingbooms in Deutschland, auf die Herstellung von semimobilen Betonrecycling Anlagen. 1987 war ein sehr entscheidendes Jahr, als Hartl die erste raupenmobile Anlage gebaut haben. Bis heute sind wir auf raupenmobile Sieb- und Brechanlagen spezialisiert. Um den Anforderungen nach leicht beweglichen, von den Transportabmessungen und Gewichten sehr flexiblen Anlagen nachzukommen, wurde 1995 die Kompakt-Serie entworfen, die den gesamten Markt der mobilen Aufbereitung sehr verändert hat.

 

Seit dem Jahr 2001 gibt es die Hartl Anlagenbau GmbH, ein 100% Familienunternehmen, welches heute im alleinigen Besitz von meinem Bruder Alexander und mir ist und gemeinsam mit einem dynamischen Team geführt wird. Alexander leitet den kaufmännischen Bereich sowie die Produktion und ich bin für Marketing und Vertrieb zuständig. Die stetige Produktentwicklung wird von einem Team von erfahrenen Ingenieuren mit Einbringung von Vertrieb, Service und Produktion vorangetrieben.

 

 

Baublatt.Österreich:

Aus der Kiesgewinnung ist ein weltbekannter Hersteller von raupenmobilen Brechanlagen geworden.

Mit welchen Schritten und Innovationen war das begleitet?

 

Das Wichtigste war die Innovation in unserer Produktentwicklung selbst. Diese Vorteile leiten sich aus der Entwicklungsgeschichte der letzten 30 Jahre auf dem Sektor der mobilen Aufbereitung ab.

 

Wir sind im Vergleich zu den Hauptmitbewerbern am Weltmarkt aus der Recyclingschiene gekommen, welche Anfang der 80er Jahre ihren Ursprung in Deutschland hatte. Für diesen Bedarf haben wir eine Prallmühle entwickelt, die sowohl als Primär- als auch Sekundärbrecher verwendet werden kann. Die anderen Global Player kommen u.a. aus Ländern wie England, Finnland oder Schweden und daher aus einer anderen Entwicklungsrichtung, nämlich aus der Natursteinaufbereitung.

Die dort verwendeten Prallmühlen sind eigentlich Sekundärmühlen. Der zunehmende Trend auf das mobile Recycling hat den Vorteil der von uns entwickelten Geometrie unserer Prallmühle bestätigt und erlaubte uns ein sehr starkes Wachstum speziell in diesem Bereich. Powercrusher wächst hier wesentlich schneller als der Markt.

 

Beim Backenbrecher haben wir als einziger Hersteller eine aufgerichtete Toggleposition. Die durch diese Positionierung resultierende einzigartige Bewegung, welche wir „Quattrobewegung“ nennen, bewirkt dass es schon im oberen Bereich des Brechers zu einer Art Vorbrechung und im unteren Bereich zu einer Art Nachbrechung kommt, wodurch sich ein deutlich kubischeres Endkorn erzeugen lässt.

 

Es gibt eine europäische Norm die besagt, dass der Schlechtkornanteil nicht höher als 20% sein darf. Wir erreichen als einziger mit nur einem Brechvorgang die Vorgaben dieser Richtlinie. Wie beispielsweise bei Zerkleinerung von Granit auf ein Endmaterial mit der Größe 0-45 mm bei sensationellen und geprüften 16,8%! Dies ist ein massiver Wettbewerbsvorteil, gerade in Europa und mit ein Grund, warum wir stark am Weltmarkt vertreten sind. Weitere Vorteile bietet dieser Brecher in Anwendungen wie Recycling und speziell bei der Verarbeitung von so genannten Rundlingen im Flussgestein.

 

 

Baublatt.Österreich:

„Working for tomorrow“ ist eines Ihrer Leitmotive. Was verbirgt sich dahinter?

 

„Working for tomorrow“ ist unser Leitsatz seit Beginn des Unternehmens im Anlagenbau. Wir sind zukunftsorientiert, denken an morgen. Investitionen in Forschung, Entwicklung und Design sowie internationale Vertretungen garantieren unsere Position am weltweiten Markt. Mit einer zukunftsorientierten Unternehmensstruktur und einem dynamischen Führungsteam reagieren wir schon heute auf die Anforderungen von morgen.

 

Unsere Stärke liegt vor allem in der Fähigkeit, auch unsere Kunden und Geschäftspartner in unsere Unternehmensstrategien einzubinden und durch gemeinsames, kontinuierliches Weiterentwickeln unserer Produkte deren und unseren eigenen Erfolg abzusichern.

Unsere einfache, aber hart erarbeitete Devise: mit Produkten und Service der Zeit immer einen Schritt voraus zu sein.

Auch haben wir in Vorausschau auf die Zukunft und mit dieser Einstellung immer die Gewinne im Unternehmen gelassen, was in einer schwierigen Zeit bzw. in einer Krise wie wir sie derzeit leider fast weltweit vorfinden ein wesentlicher Vorteil ist und unser Unternehmen liquiditätsmäßig sichert.



Baublatt.Österreich:

Was bieten Sie den Kunden aus Ihrer raupenmobilen Produktionspalette an?

 

Vier verschiedene Größen von Backenbrechern, von 30 bis 54 Tonnen Eigengewicht mit Durchsatzleistungen von 180 bis 450 to/h sowie fünf verschiedene Prallmühlen mit Produktionskapazitäten von 180 bis über 500 to/Stunde und 30 bis 85 Tonnen Eigengewicht. Weiters bieten wir Kegelbrecher für Hartgestein, Vertikalmühlen zur Sandproduktion und eine gesamte Produktpalette von Siebanlagen zur Diversifizierung bzw. Selektierung der Endkörnungen. Zusätzlich bieten wir unseren Kunden eine elektrooptische Bandwaage zur exakten Messung des Schüttgutvolumens als Alternative zu herkömmlichen mechanischen Bandwaagen an.

 

 

Baublatt.Österreich:

Im Export gehört die Firma Hartl ohnehin schon längst zu den Big Playern.

Wo vertreiben Sie Ihre Produkte und wie hoch ist der Exportanteil?

 

Der Exportanteil ist in den letzten Jahren zwischen 96 und 98% gelegen, was beweist, dass wir schon immer sehr exportorientiert gehandelt haben. Wir haben in den letzten acht Jahren in 56 Länder weltweit exportiert, wobei der Boom speziell in Osteuropa sehr stark war. Wir sind auch in Afrika, Nord- und Südamerika, Australien und in Fernost, wo wir Händler in Korea und Taiwan haben, sehr stark vertreten.

 

 

 

Baublatt.Österreich:

Verfügen Sie über eigene Auslandsniederlassungen bzw. wie viele Händler unterstützen Sie weltweit?

 

Wir haben keine eigenen Niederlassungen, sondern vertreiben über ein langjährig aufgebautes Händlernetz. In Nordamerika kooperieren wir beispielsweise mit Milton-Cat, dem zweitgrößten Caterpillar-Händler weltweit, in Russland mit dem derzeit größten JCB-Händler und in der Türkei mit einem großen Hitachi Händler. Starke Baumaschinenhändler also, die Synergieeffekte sehen unsere Produkte mit zu vertreiben - und wir nützen dadurch ihre Vorteile da sie die Verkaufsstruktur und das Servicenetz vor Ort haben, was letztendlich unseren weltweiten Kunden sehr zu Gute kommt.

 

 

Baublatt.Österreich:

Bei dieser breiten Palette weltweit ist doch sicher auch Service und Ersatzteilversorgung ein zentrales Thema.

Wie können Sie Ihre Kunden von Ihren Leistungen überzeugen?

 

Wir haben, wie sie gesehen haben ein sehr großes Lager an Komponenten, somit 98% aller Ersatzteile lagernd und ab Werk sofort verfügbar. Die Vertriebspartner und Händler verfügen im jeweiligen Land ebenso über ein Ersatzteillager, um den schnelle Verfügbarkeit vor Ort zu gewähren. Durch unsere hervorragende Ausstattung an Maschinen im neuen Werk haben wir überdies die Möglichkeit Verschleißteile innerhalb kürzester Zeit auf Bedarf selbst zu fertigen.

 

 

 

Baublatt.Österreich:

Sie haben auch schon einige Preise verliehen bekommen. Welche waren das?

 

2003 wurde der Powercrusher PC 1375 I mit dem internationalen Designpreis Red Dot "best of the best" ausgezeichnet. Unter 1494 Produkten wurde zum ersten Mal auch eine mobile Gesteinsbrechanlage mit diesem "best of the best"-Award ausgezeichnet.

 

Im April 2004 wurde der Powercrusher PC 1375 I auf der IBF Messe in Brünn mit der Goldmedaille für seine innovative Technik und das moderne Design ausgezeichnet.

Hartl Anlagenbau wurde im April 2007 mit dem AMS-Award „Frauen in die Technik“ ausgezeichnet.

 

Im Jahr 2007 haben wir den „Jungunternehmerpreis“ der Jungen Wirtschaft OÖ gewonnen und auch die vom KSV und Wirtschaftsblatt ausgeschriebene Auszeichnung „Austria Leading Companies“ erhalten.

 

2008 haben wir den äußerst begehrten und für uns sehr wichtigen Preis, nämlich den 2. Platz im österreichweiten Exportpreis gewonnen, der von der Wirtschaftskammer und vom Wirtschaftsministerium von Österreich verliehen wurde. Das hat uns gezeigt, dass unsere Investitionen und unser Engagement im Exportbereich Früchte tragen und vom Land Österreich auch honoriert wird. Eine große Ehre und Motivation für das gesamte Team auch in Zukunft weiter unseren eingeschlagenen Weg konsequent zu verfolgen.

 

 

Baublatt.Österreich:

Sie legen größten Wert auf hervorragende Lehrlingsausbildung. Wie setzen Sie diese in der Praxis um?

 

Wir haben vor fünf Jahren mit der Lehrlingsausbildung begonnen und wollen junge Menschen optimal an den Beruf heranführen und auch langfristig in unserem Unternehmen halten. Wir haben derzeit elf Lehrlinge vom ersten bis zum dritten Lehrjahr in Ausbildung.

Insgesamt beschäftigen wir derzeit im Unternehmen über 100 Mitarbeiter.

 

 

Baublatt.Österreich:

Was geschieht mit dem Standort Mauthausen?

 

Der Standort in Mauthausen wird in Zukunft für Powercrusher nicht mehr genützt werden. Die Auslastung dort wird durch das Unternehmen meines Vaters welches sich mit der Produktion und Entwicklung von Elektrofahrzeugen beschäftigt gewährleistet.

Es ist dort auch die Firma Sensortechnik untergebracht, die sich mit der Sensorik und deren Entwicklung sehr stark engagiert. Das Unternehmen geht bei den Entwicklungen aber auch in andere Richtungen. Wir sind durch die Sensorik in Bereiche der Holzindustrie wie z.B. Rundholzvermessung vorgedrungen, wo ein Sensor für den optimalen Rundholzzuschnitt und die Abkantung sorgt. Weiters werden Entwicklungsaufträge für die Glasindustrie gemacht.

 

 

 

Baublatt.Österreich:

Wie entwickelte sich das Jahr 2008 und welchen Umsatz wird es 2009 zu verzeichnen geben?

 

Wir haben im vergangenen Jahr 250 Maschinen verkauft und ungefähr 62 Mio. EUR Umsatz pro Jahr erwirtschaftet. Im Jahr 2009 rechnen wir aufgrund der Wirtschaftskrise mit einer Reduktion vom Umsatzvolumen und den Stückzahlen zwischen 30 und 35%.

 

Wir sind in sehr vielen Ländern gut vertreten, die von der Wirtschaftskrise nicht so betroffen sind. Auf diese Märkte fokussieren wir uns im Moment. Nordafrika und Südamerika z.B. sind Länder, die uns derzeit stützen und eigentlich den Weg durch die Krise ermöglichen. Gerade konnten wir auch einen sehr großen und prestigeträchtigen Auftrag aus Lybien erhalten und positiv abwickeln und rechen mit der Marktführerschaft im nächsten Jahr.

Ich nehme an, dass die Wirtschaftskrise in ein oder zwei Jahren überwunden ist, und wir dann auf eine Produktionskapazität von 350 bis 400 Anlagen pro kommen, auf die das Werk St. Valentin in einer Zwei-Schicht-Auslastung ausgelegt ist.

 

 

Baublatt.Österreich:

Herr Hartl, können Sie uns noch einige Angaben und Eckdaten zu Ihrem neuen Werk geben?


 


Auf einem Areal von 60.000 m2 wurde innerhalb eines Jahres ein einzigartiges Produktionswerk mit einer bebauten Grundfläche von 12.000 m2 errichtet. Hier können in Zukunft bis zu 400 Powercrusher pro Jahr nach modernsten Fertigungsverfahren und höchsten Qualitätskriterien gefertigt und assembliert werden.

Modernste Technik und Maschinen gepaart mit Know How und einem hoch qualifizierten Fertigungsteam garantieren höchste Qualität und ein optimales Preis-Leistungsverhältnis für die weltweiten Endkunden.

So wurde auch für die Oberflächenbehandlung der Hartl Powercrusher eine moderne Pulverbeschichtungsanlage installiert. Im Bereich der Oberflächenbehandlung und Lackierung wird damit ein gänzlich neuer Maßstab in der Branche gesetzt, der auch in Bezug auf Umweltfreundlichkeit punktet.

 

Der besondere Vorteil des eigens entwickelten Produktionssystems liegt darin, optimierte Produktionsabläufe mit „just in time“ Lieferungen, nach dem Prinzip des „lean manufacturing“ so zu gestalten dass tatsächlich auf Kundenauftrag assembliert wird und so die Produktion der Absatzsituation optimal angepasst werden kann.

Extrem optimierte und kurze Durchlaufzeiten gewähren rasche Lieferfähigkeit.

 

Nach dem Beschichtungsprozess werden die einzelnen Komponenten der Anlage in einer getakteten Fließmontage vorassembliert. Auch in diesem Bereich wird auf Basis langjähriger Erfahrung und ausgearbeiteter Prüfmethoden die hohe Qualitätsanforderung sichergestellt. Der Endzusammenbau erfolgt ebenfalls in Form einer Fließmontage,

indem die einzelnen Baugruppen systematisch auf den Maschinenrahmen aufgebaut werden. Insgesamt ist das Projekt wie geplant umgesetzt worden und das Werk erfolgreich in Betrieb gegangen. Wir sind sehr stolz darauf.

 

 

 

Baublatt.Österreich:

In diesem Jahr kam es auch zum Ausscheiden Ihres Bruders Stefan Hartl, wie sieht seine Zukunft in der Aufbereitungsbranche aus?

 

Unser Bruder Stefan Hartl hat sich entschlossen in Zukunft ein neues Unternehmen zu gründen, welches sich auf die Entwicklung und Vermarktung von semimobilen und stationären Aufbereitungsanlagen spezialisiert. Die gemeinsamen Synergien im Produkt Know How sowie Produktion, Einkauf und Verkauf werden weiterhin gemeinsam genützt und die neue Struktur verspricht eine zusätzliche Werksauslastung und vor allem Geschäftsmöglichkeiten für unsere bestehenden Kunden, Händler und Lieferanten.

 

 

 


Lebenslauf Mag. Dominik Hartl in Stichworten


Geboren am 17.11.1971

Volksschule in Mauthausen

Stiftsgymnasium Wilhering

Handelsakademie

Wirtschaftsstudium an der Johannes Kepler Universität Linz

Tätigkeiten bei Unternehmens- und Steuerberatung

1999 Einstieg in die Branche

2001 Gründung der Hartl Anlagenbau GmbH